„Burladinger Aufruf“ initiiert

Die Alboffensive hat den „Burladinger Aufruf: Keine Stimme der AfD im Zollernalbkreis!“ initiiert.
Näheres findet sich auf dem Blog https://burladingeraufruf.info

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ein Gedicht über das KZ Dautmergen

Die Wolken kreisten um den Berg

Die Wolken kreisten um den Berg wie Milchkühe,
Und der Berg stand geduldig da, ganz mit Wald bewachsen.
Der Wald war hochstämmig, emporstrebend wie ein Tannenurwald
Und ich – schaute von den Gleisen aus, auf eine Schaufel gestützt auf den Bahndamm.

Die Schaufel – das schlüpfrige Eisen, lag gut in den Händen,
es war windgeschützt am Damm, in der tiefen Grube,
Menschen zogen Waggons auf Gleisen wie Lastpferde,
in den Waggons waren Steine, aus denen man Öl macht.

Zunächst hoben wir Gräben aus und da waren wir zu viert:
ein Belgier, ein Franzose, ein Norweger und ich. Wir marschierten zusammen in einer Reihe,
bis während eines Schneesturms die Reihe auseinander gerissen wurde,
der Belgier hatte keine Kraft mehr, weiter zu gehen: Mit Gewehrkolben haben sie in tot geschlagen.

Dann trugen wir Rohre. Es war schwer, zu dritt zu gehen.
Ich sagte: „Bleib im Schritt, geh gleichmäßig, mein Freund.“
Der Franzose biss sich auf die Lippen und starrte leblos ins Weite,
und schwieg – aber weiter konnte er nicht mehr. Nach dem Morgenappell schlugen sie ihn tot.

Jetzt zerbrachen wir Steine. Die Spitzhacke glänzte in der Sonne
und glitt über die Steine, und fiel aus den ungeschickten Händen.
Der Norweger schaute zu den Bergen (ich kenne seinen Namen: Christian)
und auch er – konnte nicht mehr weiter. Er ließ die Hacke liegen und stand auf – blass.

Und er ging zum Posten, und er schaute ihm direkt in die Augen und sagte:
„Auch wenn du ein Deutscher bist, ich werde nicht mehr arbeiten, erschlag mich.“
Querfeldein ging er los in Richtung der Berge. Der Posten lachte kurz auf, zischte:
„Verfluchter Norweger“, und nahm das Gewehr von der Schulter.

Und die ganze Zeit gab es Schnee, Schlamm im Lager und Sport,
jeden Tag krochen wir im Dreck wegen schlecht zusammengelegter Bettdecken,
von fernen, großen Lagern kamen zu uns neue Transporte
und es brodelte in den Blocks wie in einer Teufelsmühle mit hundert Seelen.

Und wir waren wieder zu viert. Ich, ein Norweger, ein Franzose und ein Belgier,
dieselben spöttischen Posten, dasselbe Ausheben des Grabens.
Die Schaufel, das gute Eisen, hilft beim Schneeschippen.
Und nur die Hände werden steif. Und bei Fieber schmerzt der Kopf.

Die drei Kameraden aus dem Graben hoben ihre Spitzhacken hoch
und solange die Kraft reichte, zerhackten sie mit Schwung die Erde.
Wissend schaute ich sie an und den Berg hinter ihnen in den Wolken,
und auf die Schaufel gestützt, überlegte ich, ob ich noch weiter kann.

Über uns, hoch bis zum Himmel, ganz aus Stein und Eis,
funkelte der Berg wie Glas, wie Wolken aus Wolle und Tannennadeln
– wir verlegten die Bahnschienen, vor Hunger und Kälte wankend
– und der Berg, umhüllt von Wolken, stand wie eine geduldige Wiese.

Warum schreibe ich darüber? Mit den drei Kameraden
na ja – kann ich nicht mehr weiter und schaue auf den weiten Berg?
Liebe und Hass, Tod und Leben gibt es nicht.
Es gibt nur die ruhige Erde, und in ihr – den Körper eines Menschen.

 

Tadeusz Borowski (1922-1951), des polnischer Schriftsteller, war im KZ Dautmergen inhaftiert

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Buchrezension: Lebens- und Verfolgungsgeschichte eine Sintos aus Burladingen

Vorbemerkung: Im Folgenden wird manchmal die Bezeichnung „Zigeuner“ bzw. schwäbisch „Zigeiner“ als Zitat verwendet, obwohl die Minderheit der Sinti und Roma diesen Begriff mehrheitlich als herabwürdigend und beleidigend versteht und deswegen ablehnt.

In diesem Fall wird „Zigeiner“ aber von dem Sinto Lolo Reinhardt, um dessen Lebensgeschichte es in dem Buch geht, selber verwendet. Aus Respekt vor seinem Zeugnis wollen wir nicht nachträglich korrigieren oder nur indirekt zitieren.

 

Das 1999 erschienene Buch „Überwintern. Jugenderinnerungen eines schwäbischen Zigeuners“ schildert die Lebensgeschichte von Friedrich Reinhardt (1932-1994), genannt „Lolo“, ergänzt von seiner Schwester Maria Winter (* 1926), genannt „Märza“.

Beide sind als Mitglieder der Minderheit der Sinti, einer Roma-Gruppe die seit über 600 Jahren im deutschsprachigen Raum anzutreffen ist. Diese Minderheit war immer wieder Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt. Diese steigerte sich im Nationalsozialismus bis zum Völkermord, dem etwa 500.000 Angehörige dieser Minderheit zum Opfer fielen.

Diese Verfolgung fand auch in der schwäbischen Provinz statt. Die Lebensgeschichte von Lolo Reinhardt findet genau hier statt und wird dann auch im Nationalsozialismus eine Geschichte der Verfolgung.

Da Lolo und Märza „schwäbische Zigeiner“ sind, sind ihre Berichte im Buch von der Herausgeberin im Original-Schwäbisch belassen worden. Hinzu kommt im Buch eine Erzählung von Richard Scherer und ein Nachwort der Herausgeberin Monika Döppert.

Das Buch basiert auf Tonkassetten mit Interviews, die Monika Döppert 1992 bis 1994 mit Lolo Reinhardt geführt hat und die sie durch Gespräche mit dessen Schwester Märza ergänzt hat. Zu ihrer Entscheidung die Interviews nicht zu ‚verhochdeutschen‘ schreibt Döppert:

„Lolo Reinhardt sprach als schwäbischer Sinto mit der Muttersprache Romanes ein eigenwilliges Schwäbisch mit unorthodoxen Satz- und Wortbildungen. Bei einer Übertragung ins Hochdeutsche wäre zu viel von der Ausdruckskraft des Textes verloren gegangen.“ (Seite 155)

Lolo Reinhardt und seine Familie lebten anfangs noch als Fahrende, d.h. sie bewegten sich mit dem Pferdewagen von Ort zu Ort. Diese Lebensweise war das Resultat starker Ausgrenzung durch die Mehrheitsbevölkerung. Heute wird sie in Deutschland nur noch von einer kleinen Minderheit der Minderheit praktiziert.

Ausgrenzung erfuhr auch Lolos Vater schon vor 1933, wie Lolo berichtet:

„Mein Vater hat des immer erzählt: Da und da hat mr net könne stehe. Da war Schlägerei, da sin sie komme und hen d‘Wäge umg‘schmisse, da hen se die Fraue verhaue und so weiter und so fort.“ (Seite 23)

Die Sinti-Familie mit sechs Kindern lebt am Rand der Gesellschaft. Lolos Familie verdingt sich als Hausierer, Schausteller und Musiker oder im Pferdehandel.

Lolo berichtet dass seine Eltern Analphabeten waren. Die Verhältnisse, in denen Lolo aufwächst, sind bitterarm:

„Früher, mit de alte Währung, hat mr ein Paar Schuh g‘het, und die waret net ganz. Wenn unte a Loch drinne war, ht mr. Zeitunge nei. Des hat aber net lang g‘het, die waret glei wieder naß.“ (Seite 25)

 

Lebens- und Leidensgeschichte in Burladingen 

Obwohl sie viel umherzogen, hatten die Familie zeitweise in Renningen auch ein Haus. Das mussten sie aber 1936 unter Zwang verkaufen. Die Familie landet schließlich in Hermannsdorf bei Burladingen. Hier arbeitet die Familie in der Gastwirtschaft „Adlerwirtschaft“ mit.

Den Kindern wurde irgendwann der Schulbesuch in Burladingen verwehrt.

„Die [Kinder von der Nichte der Mutter] waret mit uns in Burladinge in der Schul, bis mir dann hen dürfe nicht weiter in die Schul gehen. Da hen die g‘sagt: Zigeiner müsse unter Jude geschätzt werde, und Zigeinerkinder und Judenkinder dürfet in kei deitsche Klasse. Da hen uns scho die obere Klasse, die mit fünfzehn, sechzehn, abgepaßt zum Verschlage.“ (Seite 46)

Es sind nicht die einzigen Schläge, die die Kinder ertragen müssen.

Ein Burladinger Polizist misshandelte die Kinder, wenn sie nicht schnell genug den Hitlergruß zeigten:

„Wenn mr von obe runterkomme isch nach Burladinge und isch nach links g‘loffe, da hat ein Polizischt g‘schrien: »Stopp! Was ischt der Gruß?«

Na hasch en Tritt in Arsch kriegt, a Ohrfeig dazu, na hasch wieder müsse zurücklaufe. »Heil Hitler!«

Und wehe, du hasch en Fehler g‘macht! Grad mei kleiner Cousin, der hat die Hand amal net so hochbracht. Hat er dreimal müsse zurücklaufe, und dreimal in Arsch kriegt, dreimal ins G’sicht.“ (Seite 46)

Die Verfolgung zog mit der Zeit weiter an. Die älteren Brüder von Lolo kamen ins KZ. Andere Familienmitglieder arbeiteten in der Munitions-Fabrik von Alois Mayer in Burladingen und waren damit kriegswichtig, was sie vor der Deportation bewahrte.

Trotzdem kamen immer wieder Polizisten vorbei, um die Kinder abzuholen, aber die Bauern-Familien Baltes und Anselm versteckten sie, ebenso wie der Pfarrer Biener in Burladingen sie warnte.

Lolos Schwester Märza hatte eine Affäre mit einem Soldaten, wurde von der Polizei in Burladingen misshandelt und kam deswegen in Hechingen ins Gefängnis:

„Na hat der an Zorn g’het und hat an Brief an die Burladinger Polizei g’schriebe und ihne verrate, daß i was mit em a deitsche Soldat han. Da hen sie mich in der Polizeiwache in Burladinge blutig g’schlage, weil i’s net zugebe han. Und nachher hen se mi vier Woche und vier Tag eing’sperrt in Hechinge.“ (Seite 72)

Berta, die Schwester der beiden, wird auch von einem Polizei-Hund schwer verletzt:

„Mei Schweschter Berta hen sie au glei so g’schlage. Und der Olga hat einer von de Hund a ganzes Stück hinte rausbisse, daß sie hat müsse zum Arzt gehe.“  (Seite 61)

Die Kinder sollten in Hechingen zwangssterilisiert werden:

„Und dann isch des komme, daß mir Kinder alle, Bube wie Mädle, sollet kaschtriert were in Hechinge. Mit acht, zehn Jahr waret mir grad richtig zum Kaschtriere. Daß du nachher ja net auf dumme Gedanke kommsch. Daß die Zigeiner aussterbet. Wenn je einer davonkommt, isch er kaschtriert. Daß’s da keine Nachkomme mehr gibt. Da waret sie scho g’scheit, die Deitsche. Des muß mr ihne schon lasse.“ (Seite 51)

Später sollten sie in die Vernichtungslager im Osten deportiert werden.

Während die Kinder in den Wald flüchteten, mussten sie vom Waldrand zusehen, wie ihr Vater von der Polizei zusammengeschlagen wurde.

Immer wieder entkommen Märza und Lolo nur knapp einer Deportation.

Nicht alle Sinti schafften es zu fliehen. Andere verwandte und bekannte Sinti-Familien wurden deportiert und tauchen nie wieder auf.

Zum Schatten der Familiengeschichte gehört dass der Bruder der Mutter als Kollaborateur mit der Gestapo zusammen arbeitete.

Am Rande wird in dem Buch auch von anderen NS-Verbrechen berichtet. So sollen in Burladingen 1945 russische Zwangsarbeiter von einem Polizisten namens Scheller ermordet worden sein:

„In Burladingen hen sie ja au die Pole zammeg’schlage, wie sie g’wollt hen. Und der gleische Polizischt, der wo uns bewacht hat in dem Schulhaus, der hat am Schluß die Russe abg’schosse, kurz bevor d’Franzose reikomme sin.“ (Seite 58-59)

Dann ist der Krieg vorbei. Allerdings kommt es im Raum Burladingen zu Vergewaltigungen durch die französischen Besatzungstruppen, denen auch Märza zum Opfer fällt.

Die meisten Familienmitglieder wurden im Völkermord, den die Roma in ihrer Sprache „Porajmos“ nennen, ermordet:

„Von dene Familie, die bei uns waret, von dene siebenundzwanzig oder neunundzwanzig Persone sind grad noch die zwei Mädle zurückkomme. Und sonscht war keiner von meim Vatter seine Leit mehr da.“ (Seite 63)

„War mei Lieblingscousine dabei. Lange Haare und alles … Mir hen ausg’macht g’het, wenn mir des überlebe und mir sin amal groß, dann heirate mir. Auschwitz. Nimmer zurückkomme.“  (Seite 67)

„Seine Verwandschaft, des waret massenhaft Reinhardt, wo sie vernichtet hen, massenhaft. Wenn die alle da wäret, den Zug, die Waggon könnet sie gar net heut nacht aufbaue.

Da sin die zwei alte Leit [seine Eltern] da obe am Berg g’sesse und hen g’weint.“  (Seite 82)

Die überlebenden Reinhardt-Kinder fangen nach 1945 so manche Schlägerei mit ihren alten Peinigern, die unbestraft davon kamen, an.

Die beiden schwäbischen Sinti-Kinder bleiben der Gegend verbunden. Lolo Reinhardt starb 1994 in der Nähe von Burladingen und seine Schwester Märza lebte bei Erscheinen des Buchs in Gammertingen.

 

Fazit: Lokalgeschichte ohne Lokalkolorit

Das Buch ist manchmal schwer zu lesen. Einmal für nicht des Schwäbischen mächtige Leser*innen, aber auch weil die Erzählungen von Lolo und Märza sprunghaft und ungeordnet sind. Natürlich ist es auch schwer zu ertragen, was er und seine Schwester erleben mussten.

Das Schwäbische macht es aber auch authentisch und bringt Schwäbinnen und Schwaben diese Lebensgeschichte vermutlich besser näher.

Das Buch sollte deswegen wieder mehr gelesen werden, wenn möglich auch in der Schule, u.a. in Burladingen, wo es spielt.

Die Leserin oder der Leser erfährt nebenbei auch etwas über die Kultur der schwäbischen Sinti. Über ihre eigene Sprache („unser Sprach“), das Romanes, oder über Rituale, z.B. in Bezug auf das Gedenken.

Die manchmal anstrengende Lektüre lohnt sich auf jeden Fall!

 

* Lolo Reinhardt: Überwintern. Jugenderinnerungen eines schwäbischen Zigeuners, herausgegeben von Monika Döppert, Gerlingen 1999

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Gefährlicher „Heiler“ – über den geplanten Vortrag von Lothar Hirneise in Hechingen

Am 17. September 2020 sollte einer der ganz „Großen“ der alternativmedizinischen Szene, Lothar Hirneise, in der Stadthalle Museum Hechingen einen Vortrag zu seinem Buch „Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe: Die 10 größten Mythen der Onkologie“ halten.

Inzwischen wurde der Vortrag auf das Frühjahr 2021 verschoben.

Medizintheorie ist eigentlich nicht das Thema der Alboffensive und trotzdem ist es uns in diesem Fall wichtig, weil hier offensichtlich mit dem Leid von Menschen Kasse gemacht werden soll.

Der Referent Lothar Hirneise ist ehemaliger Krankenpfleger, Mitbegründer des „3E-Gesundheitszentrums“ bei Stuttgart 3E steht dabei für eine ganzheitliche Krebstherapie: „Ernährung, Entgiftung, Energiearbeit“.

Er ist Autor diverser Bücher. Das besagte Buch wird unter anderem auch über den Rottenburger Kopp-Verlag vertrieben der sich auf Verschwörungstheorien, rechtspopulistische und rechtsextreme Titel spezialisiert hat.

Krebspatient*innen sind Menschen die sich aufgrund ihrer Erkrankung in einer Ausnahmesituation befinden. Diese Menschen würden zu jedem Mittel greifen, dass ihnen Hilfe verspricht.

Chemotherapien, Operationen und andere Methoden um Krebs zu therapieren bringen immer Nebenwirkungen mit sich. Da hört es sich traumhaft an, wenn Hirneise nach langem Vortrag über die Machenschaften innerhalb der Medizin und Pharmaindustrie, der Geschichte der Onkologie und einem Berg erwähnter Studien sein 3E-Programm vorlegt!

Eine ausgewogene Ernährung, guter Stoffwechsel und ein gefestigtes Selbst sind sicherlich wichtige Aspekte in der Krebstherapie die euch auch keine Ärztin und kein Arzt vorenthalten wird, aber sicher auch nicht die einzige Chance die euch bleibt.

Nicht ohne Grund muss man bei der Aufnahme in solchen Zentren oder „Kliniken“ unterschreiben, dass keine Behandlung durchgeführt wird sondern ausschließlich eine ganzheitliche Beratung.

Es geht nicht darum, alternative Ansätze als ergänzende Therapie abzulehnen oder die Schulmedizin und Pharmaindustrie in Schutz zu nehmen.

Es geht uns darum, dass Menschen in Extremsituationen Möglichkeiten vorgelegt werden, die durch die Blume formuliert Erfolg versprechen und den Menschen vielleicht die Zeit nehmen, die sie gebraucht hätten um ihre Erkrankung tatsächlich zu besiegen.

Zum Titel des Vortrags und des Buches: „Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe: Die 10 größten Mythen der Onkologie“.

Das eine Chemotherapie nicht gleich die Heilung von Krebs bedeutet wird hoffentlich kein Arzt bestreiten. Vielmehr gibt es verschiedene Ansätze.

Dazu gehören der kurative Ansatz, der die Heilung als Ziel hat und der palliative Ansatz, der den Verlauf bremsen und die Leiden des Patienten mildern soll.

Zum kurativen Ansatz gehören z.B. die neoadjuvante und adjuvante Chemotherapie.

Bei der neoadjuvanten ist der Tumor zunächst zu groß oder infiltriert kritische Bereiche. Durch die Gabe der Chemomedikamente erhofft man sich eine Verkleinerung des Tumors, so dass man ihn operativ vollständig entfernen kann: eine sogenannte R0-Resektion.

Kann diese nicht erreicht werden, die Chirurgin oder der Chirurg sieht aber makroskopisch kein Tumorgewebe mehr, der Pathologe findet aber in Gewebeproben noch vereinzelte Tumorzellen spricht man von einer R1 und eine adjuvante Chemotherapie nach der Operation soll verhindern, dass sich aus diesen vereinzelten Tumorzellen ein Rezidiv-Tumor bildet.

Kann der Tumor chirurgisch nicht vollständig entfernt werden weil z.B. lebenswichtige Strukturen infiltriert sind spricht man von einer R2-Resektion. Hier kann eine additive Chemotherapie indiziert sein, um eine Ausbreitung (Metastasierung) zu verlangsamen oder sogar eine Verkleinerung (Tumorregression) zu erreichen.

Nur wenige Krebsarten lassen sich tatsächlich durch reine Chemotherapie heilen z.B. bei speziellen Arten der Leukämie.

Genauso gibt es vereinzelte Fälle von Spontanheilung von Krebs. Diese sind aber sehr selten und es konnte bisher nicht geklärt werden wie es dazu kommt. Es wird aber daran geforscht.

Zu guter Letzt also: Wir bitten alle am Thema Krebs Interessierten sich nicht von reißerischen Titeln hinreisen zu lassen. Glauben sie nicht jedem, auch wenn er mit wissenschaftlichen Fakten und Studien in Massen um sich wirft.

Wir sagen Lothar Hirneise ist ein Wunderdoktor, der mit dem Leid der Menschen Kasse macht.

Lothar Hirneise ist auch im Umfeld der Bewegung der Pandemie-Leugner*innen aktiv. Neben Auftritten auf den entsprechenden Demonstrationen, nahm Hirneise auch an Vernetzungstreffen der Pandemie-Leugner*innen teil, was seine wichtige Funktion in dieser Szene beweist.

Allein das sollte ihn als Redner in der Hechinger Stadthalle disqualifizieren.

Wir fordern deswegen die Stadt Hechingen dazu auf, solche Veranstaltungen künftig nicht in ihren Räumlichkeiten zu dulden!

AlbOffensive – Kein brauner Alb(t)raum

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Stellungnahme der Gruppe „Alboffensive“ zum Aufhängen einer ‚Chinesen-Puppe‘ in Burladingen

Am 21. Februar 2020 wurde in Burladingen von einer Karnevals-Zunft im Rahmen eines Rituals eine Puppe aufgehängt, die durch ihre Kleidung und ihre Kopfbedeckung als Chinese markiert wurde. Gleichzeitig trug die Puppe auch eine Atemschutzmaske, offenbar um sie ebenso als Überträger des Corona-Virus zu kennzeichnen.

Ein paar Tage später wurde die Puppe nach aufbrandender Kritik wieder abgenommen.

Für viele ist klar dass es sich bei der ‚Chinesen-Puppe‘ um eine rassistische Darstellung handelt. Wir als Alboffensive teilen diese Einschätzung, möchten aber gerne nochmal erläutern warum wir das Aufhängen einer ‚Chinesen-Puppe‘ in Burladingen für mehr als problematisch halten.

Besonders das über Symbolik die mehr als einer Milliarde Bewohner*innen eines Landes zu Krankheitsüberträger*innen und damit zur Gefahr gemacht werden, halten wir für eine rassistische Sichtweise. Daran ändert nichts dass der derzeit kursierende Coronavirus tatsächlich aus China stammt. Eine derart grob verallgemeinernde Darstellung stellt über eine Milliarde Menschen unter Generalverdacht.

Die aufgehängte Puppe sah nicht nur für sich genommen gruselig aus, die Szene wirkte auch – ob gewollt oder ungewollt – wie die Nachstellung eines Lynch-Mordes.

Das hat auch immer etwas Bedrohliches und Angst-Erzeugendes. Um dafür Verständnis zu erzeugen würden wir die Burladinger*innen bitten, kurz zu versuchen sich in eine chinesische Touristin hineinzuversetzen, die sich nach Burladingen verirrt und diese Puppe erblickt. Wem würde aus dieser Perspektive nicht mindestens mulmig zumute werden?

Statt auf einem Verschanzen hinter einer „Ich bin kein Rassist!“-Haltung hoffen wir auf eine Einsicht der Beteiligten dass es eine rassistische Handlung ist, symbolisch eine Bevölkerungsgruppe als Krankheitsträger*innen zu markieren und diese dann ebenso symbolisch aufzuhängen.

Wir sagen das wir die Tat und ihre Wirkung für rassistisch halten, aber nicht unbedingt alle Beteiligten.

 

Kurzer Exkurs: Deutsche Kolonialgeschichte in China

Klischeehafte Darstellungen von Chines*innen und China-Bilder schweben nicht einfach im luftleeren Raum. Eine häufig übersehene historische Tatsache ist dass das Deutsche Kaiserreich auch in China von 1898 bis 1914 eine Kolonialmacht war. Um 1900 kam es im Rahmen der Niederschlagung von antikolonialen Aufständen zu Strafexpeditionen in China, an denen auch deutsche Truppen beteiligt waren.

In der berüchtigten „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II. von Hohenzollern am 27. Juli 1900 in Bremerhaven bei der Verabschiedung des deutschen „Ostasiatischen Expeditionskorps“ zur Niederschlagung des so genannten „Boxeraufstandes“ („Yihetuan-Aufstand“) im Kaiserreich China rief der Kaiser seinen Truppen zu: „Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!“

In der Folge wurden ganze Dörfer kurzerhand niedergebrannt und in vielen Fällen auch große Teile der Bevölkerung rücksichts- und unterschiedslos niedergemetzelt. Es wurden schätzungsweise mehr als 100.000 Chines*innen ermordet.

Damals entstanden rassistische Klischees von Chines*innen, die zum Teil auch heute noch den Blick auf China prägen.

Das hat mit Burladingen erst einmal natürlich nichts zu tun, aber immerhin etwas mit dem Zollernalbkreis, in dem sich die Stammburg der Hohenzollern befindet.

Außerdem können die kolonial verformten Bilder von China in Zeiten der Coronavirus-Panik wieder verstärkt reaktiviert werden. Dazu sind Darstellungen wie die der ‚Chinesen-Puppe‘ durchaus geeignet.

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Balingen: AfD wurde am 13. August vom Gegenprotest überstimmt

Die Gegner*innen der AfD waren in Balingen am 13. August 2020 auf dem Marktplatz deutlich mehr als ihre Fans. Insgesamt lag das Verhältnis bei 27 zu 11. Die AfD-Fans, fast durchgängig lokale Mitglieder, waren  im Schnitt auch ein paar Jahrzehnte älter als wir Gegendemonstrant*innen.

Es fand sich in Balingen sogar spontan eine Anmelderin für eine Gegenkundgebung. Ab 13.45 Uhr wurde dann die AfD für über eine Stunde lang durch Pfeifen, Buhen, Schreie, Gesänge und Parolen deutlich überstimmt. Die Reden des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess und von Hans-Peter Hörner, des lokalen Kandidaten zur Landtagswahl, wurden Gegenlärm geradezu ertränkt.

Ein Zufallspublikum erreichte die AfD so nicht, da die Rechten deutlich isoliert wurden.

Am Vormittag hatte es bereits in Albstadt ähnlichen Protest gegeben.

Nach Burladingen am 3. August, sowie Albstadt und Balingen am 13. August 2020 ist klar dass die AfD auch im Zollernalbkreis kein Heimspiel hat.

Zumal der Gegenprotest vor allem aus der Region selbst kam und nicht aus Reutlingen oder Tübingen ‚exportiert‘ werden musste. Auch wenn wir uns immer über die Unterstützung von Kreis-Auswärtigen freuen, so muss des doch die Zivilgesellschaft vor Ort sein, die den Gegenprotest organisiert und stellt.

Wir danken allen Teilnehmer*innen des Gegenprotests!!!

Ihr wart toll!

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Kein ruhiges Hinterland: Am 13. August gegen die AfD in Balingen!


Treff: Donnerstag (13.08.), 13.30 Uhr, Marktplatz in Balingen

Nach dem Auftritt in Burladingen am 3. August, will die AfD am 13. August 2020 ihre Sommerkampagne in Albstadt-Ebingen (9-11.30 Uhr) auf dem Bürgertumplatz und Balingen (13.45-17 Uhr) auf dem Marktplatz fortsetzen.
Angekündigte Redner sind die AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier und Martin Hess, sowie der Landtagswahlkandidat Hans-Peter Hörner.

Wir, die Alboffensive, rufen alle Antifaschist*innen und Demokrat*innen dazu auf, sich am 13. August ab 13.30 Uhr auf dem Balinger Marktplatz zu versammeln und schlagen vor, sich dort am kreativen und kontaktlosen Protest gegen die AfD zu beteiligen.
Ob eine Gegenveranstaltung angemeldet ist, wissen wir nicht. Möglicherweise findet sich auch kurzfristig jemand aus der Zivilgesellschaft, die/der das übernimmt.

Alle Gegendemonstrant*innen sind dazu aufgerufen die Abstandsregeln einzuhalten und Masken zu tragen.
Bringt außerdem bitte Sachen mit, mit denen sich Krach schlagen lässt: Pfeifen, Hupen, Trommeln, Rätschen usw.

Antifaschismus hat keine Sommerferien!

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Auswertung: Gegen die AfD in Burladingen am 3. August!

Die AfD hielt am 3. August 14 Uhr auf dem neuen Marktplatz in Burladingen, eine ihrer Wahlhochburgen, eine Kundgebung ab.

Die AfD versammelte knapp 30 Personen, darunter Ala Hörner aus Hechingen, Erik Wille aus Rosenfeld und Hans-Peter Hörner, AfD-Kandidat für den Wahlkreis Balingen.
Als Redner traten lediglich Joachim Steyer, AfD-Kandidat im Wahlkreis Hechingen-Münsingen, und Martin Hess, AfD-Bundestagsabgeordneter auf.
Steyer hielt eine „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“-Rede, während Hess als Polizeibeamter den Vertreter von Law&Order gab.
Bis auf eine Ausnahme trug die gesamte AfD-Schar auf dem Markt in Burladingen keine Maske, während der Gegenprotest ausnahmslos Maske trug.

Wir, die Alboffensive, begleiteten mit Freund*innen die AfD-Veranstaltung kritisch.

Besonders motiviert wirkte die AfD-Fangruppe nicht. Sichtlich genervt waren die Rechtspopulist*innen auch von unserem kreativen und lautstarken Gegenprotest. Nach 40 Minuten war der Spuk dann auch schon wieder vorüber.
Die AfD erreichte im Verlauf der Veranstaltung kein Laufpublikum, sondern blieb unter sich.

Auffällig und unnötig war die starke Polizei-Präsenz von mindestens sechs Kastenwägen und mehreren Polizei-Hunden.

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Rechte Hochburgen schleifen – am 3. August gegen die AfD in Burladingen!

 

„Scheint die Sonne auch für Rechtspopulisten? Wenns nach uns ginge, tät sie es nicht!“

(frei nach einem Lied der Ärzte)

 

Im Rahmen ihrer „Sommerkampagne“ will sich die AfD am Montag, dem 3. August 2020, in Burladingen 14 Uhr auf dem „Neuen Marktplatz“ präsentieren. Angekündigt sind der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hess und Joachim Steyer aus Burladingen, AfD-Landtagskandidat 2021 im Wahlkreis Hechingen-Münsingen.

Unbestreitbar ist Burladingen eine Wahl-Hochburg der AfD. Bei der Europawahl im Mai 2019 erhielt die AfD in Burladingen 17,3% der Stimmen. Bei der gleichzeitig stattfindenden Gemeinderatswahl erhielt die AfD in Burladingen 14% der Stimmen.

Hinzu kommt der zur AfD konvertierte ehemalige Bürgermeister Harry Ebert.

Wir, die Alboffensive, rufen alle Antifaschist*innen und Demokrat*innen dazu auf, am 3. August die AfD in die Schranken zu weisen.

Wir schlagen vor, sich in Burladingen an einem kreativen und kontaktlosen Protest gegen die AfD zu beteiligen.

Ob eine Gegenveranstaltung angemeldet ist, wissen wir nicht. Möglicherweise findet sich auch kurzfristig jemand aus der Zivilgesellschaft, die/der das übernimmt.

Alle Gegendemonstrant*innen sind dazu aufgerufen die Abstandsregeln einzuhalten und Masken und Handschuhe zu tragen.

Antifaschismus hat keine Sommerferien!

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Ein kritischer Rückblick auf den ehemaligen Burladinger Bürgermeister Harry Ebert

Am 31. Mai 2020 trat Harry Ebert als Bürgermeister von Burladingen (Zollernalbkreis) zurück. Gregor Götz, Ortschaftsrat aus Melchingen, nannte Ebert in einer Büttenrede treffend „Bonsai-Trump“. Er war deutschlandweit zeitweise der einzige Bürgermeister mit AfD-Parteibuch. 

Für uns Antifaschist*innen von der Alboffensive ist der Rücktritt Eberts ein Grund zum feiern! Denn der Burladinger Bürgermeister war ein anschauliches Beispiel für die Sorte von Bürgermeister*innen, die nicht nur blind gegenüber rechten Vorkommnissen sind, sondern die vielmehr Teil des Problems sind.

Unsere Probleme mit Ebert fingen aber nicht erst mit dessen Eintritt in die AfD an. Vielmehr war der Beitritt für uns nur die wenig überraschende Konsequenz seines bisherigen Weges nach rechts. 

Kritischer Rückblick

Ebert ist ein ehemaliger Polizist und ist seit 1999 als Nachfolger von Michael Beck Bürgermeister von Burladingen. Er wurde 2007 und 2015 wiedergewählt. Seine dritte Amtszeit sollte eigentlich erst 2023 enden.

Ebert war ursprünglich kurz CDU-Mitglied und wechselte dann zu den Freien Wählern, für die er eine Periode lang im Kreistag saß. 

Ebert wurde schon früh negativ auffällig.

* Als im März 2007 mit Axel Heinzmann ein extrem rechter Bürgermeisterkandidat in Burladingen kandidierte rief die Gewerkschaft „IG Metall“ Albstadt dagegen mit ihrer „Burladinger Erklärung“ zu friedlichen Gegenprotest auf. Der Bürgermeister Harry Ebert verweigerte mitsamt der Stadtverwaltung der „IG Metall“ damals das Feuerwehrgerätehaus für eine Gegenveranstaltung.

* Als am 17. Oktober 2012 eine Feierstunde an der Grabstätte der Burladinger Sinti-Familie Reinhardt anlässlich deren Einweihung als Gedenkstätte stattfand, fehlte der Bürgermeister.

Damals kommentierte der Journalist Hardy Kromer am 18. Oktober 2012 treffend:

„Umso mehr verwundert und beschämt die Missachtung, die Bürgermeister Harry Ebert der gestrigen Gedenkfeier zuteil werden ließ. […] Viele Gäste der gestrigen Denkmalfeier-Gesellschaft zeigten sich verstört und erschüttert darüber, welches Maß an Geschichtsvergessenheit im Burladinger Rathaus vorzuherrschen scheint. Da braucht das Stadtoberhaupt am nächsten Volkstrauertag, wenn wieder offiziell der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht wird, gar nicht viel zu sagen. Sein peinliches Fehlen und Schweigen von gestern spricht schon Bände.“

Irmgard Winter-Reinhardt berichtete auch von einer jahrelangen Auseinandersetzung mit der Stadtverwaltung, die auch vor dem Verwaltungsgericht in Sigmaringen ausgetragen wurde. Bürgermeister Ebert habe jeden Kontakt mit ihr verweigert und sich erst spät gesprächsbereit, aber nicht kompromissbereit gezeigt.

* Als im September 2013 in Gauselfingen, einem Teilort Burladingens, ein Neonazi-Graffiti, ein Keltenkreuz mit den Buchstaben WPWW (‚White Power Worldwide‘), auftauchte, reagierte niemand auf die mehrfachen Bitten der Alboffensive um eine Entfernung. Alboffensive-Aktivisten nahmen es schließlich selbst in die Hand und übermalten das Graffiti.  

* Im Mai 2015 riet der Ex-Polizist und Bürgermeister Ebert in einem Interview mit dem „Schwarzwälder Boten“ ernsthaft dazu Hitlergrüße – eine Straftat – zu ignorieren:  

„Meiner Meinung nach gibt es zwei Möglichkeiten, auf solche Vorfälle zu reagieren. Erstens ich empöre mich und zeige mich schockiert oder ich reagiere durch Ignorieren. Ersteres spielt den braunen Spinnern in die Karten. Denn sie wollen durch ihre Aktionen ja gerade provozieren und schockieren. Letzteres zeigt ihnen, dass man sich durch solche Aktionen eben gerade nicht aus der Fassung bringen lässt. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden und bin mir bewusst, dass es darüber auch andere Meinungen gibt. Aber letztlich kommt es in dieser Sache auf meine Meinung an.“

* Ebert hielt Januar 2017 seinen Gemeinderäten vor, sie seien mit dem Besuch einer Geflüchteten-Unterkunft auf „Asylantenschau“ gegangen. Zudem bezeichnete er sie als „Landeier“. Der CDU-Fraktion warf er vor, sich in „Kadavergehorsam“ der Parteivorsitzenden Angela Merkel gegenüber „von einem Sozialarbeiter des Landratsamts durch die Manege führen“ zu lassen.

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Hechingen bewertete der Burladinger Rathauschef als „klaren Rechtsbruch“; besser wäre es seiner Meinung nach, diese per „One-Way-Ticket“ zurück in deren Heimat zu schicken.

* Ebert nahm am 8. September 2017 in der Stadthalle in Burladingen an einem AfD-Bürgerdialog mit diversen AfD-Prominenten teil.

Auch online näherte sich Ebert der AfD an. Seit Januar 2016 postete er immer wieder Wahlwerbung der AfD. Auf seinem privaten Facebook-Account vergab er damals Likes für: „Merkel muss weg“, Frauke Petry „Aufwachen Deutschland“ oder „Ich bin stolz, Deutsch zu sein“.

Am 8. März 2018 trat Ebert dann offiziell der AfD bei und im Juni 2018 wurde er Beisitzer des AfD-Ortsverband Burladingen. 

Mehrfach trat er bei der AfD seitdem als „unser Bürgermeister auf“, so im Juni 2018 in Uhingen und im August 2019 in Böblingen.

Zusätzlich zu seinem politischen Engagement in der AfD zerstritt er sich mit seinem Gemeinderat und der Presse. Unter anderem für die von ihm veranlasste Aussperrung von Mitarbeitern des „Schwarzwälder Boten“ aus städtischen Gebäuden erhielt er den Negativ-Preis „verschlossene Auster“ des bundesweiten „Netzwerk Recherche“.

Gleichzeitig ermittelte die Staatsanwaltschaft Hechingen wegen des Verdachts der Amtsanmaßung, weil Ebert 2017 in einer Feuerwehruniform aufgetreten war, deren Schulterklappen ihn als Branddirektor auswiesen, ohne das er überhaupt Mitglied der Feuerwehr war.

Dieser Mehrfronten-‚Krieg‘ dürfte Ebert ausgelaugt und erschöpft haben, so dass er zwei Jahre vor dem Ende seiner Amtsperiode zurücktritt.

Wir als Alboffensive sind alles andere als traurig darüber.

Fazit: Ebert ist weg und nun? 

Zu einfach wäre es, in Burladingen nur auf den Bürgermeister zu fokussieren und anzunehmen mit dessen Rücktritt hätten sich alle Probleme gelöst. Die Probleme liegen tiefer und sind vielschichtiger. Seit Beginn der 1990er Jahre existiert in und um Burladingen eine subkulturelle Neonazi-Szene, die immer wieder durch gewalttätige Übergriffe auffällt.

Hinzu kommen Reichsbürger, die versuchen sich zu bewaffnen, und ein Alltagsrassismus, der sich zuletzt im symbolischen Lynchen einer als chinesisch markierten Puppe äußerte.

Dass Burladingen eine Wahlhochburg der AfD ist und über einen eigenen AfD-Ortsverband verfügt, der zu Ostern 2020 ein Bild vom Faschisten Björn Höcke auf Facebook postete, dürfte da kaum noch überraschen. 

Burladingen ist ein gutes Beispiel dafür dass auch in Baden-Württemberg rechte Hochburgen existieren. Allerdings ist in dieser Problem-Verdichtung Burladingen sicher mit an der Spitze solcher Fälle. 

Wir als Alboffensive versuchen dagegen aktiv zu werden. So führten wir mehrere Veranstaltungen in Burladingen durch. Wir werden auch in Zukunft am Ball bleiben.

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