Am 5. Juli 2026 fand in Albstadt eine rechts-offene Demonstration unter dem Motto „SchMERZgrenze überschritten“ statt, an der etwa 200 Personen teilnahmen.
Bereits die Mobilisierung war diffus, weil sie keine Analyse anbot und nur eine Sammlung von diversen Unzufriedenheits-Themen. So bot die Demonstration eine Art Projektionsfläche, in die jeder und jede etwas anderes rein lesen konnte.
Neben vereinzelten Schildern wie „DDR 2.0 abschaffen“ und ein paar Deutschlandfahnen.
Offenbar existiert in Albstadt durch die jahrelangen Demonstrations-Aktivitäten im Zuge der Corona-Proteste und später auch der migrationsfeindlichen Demonstrationen 2023 gegen die Unterbringung von Geflüchteten in einer Sporthalle ein lokales Protest-Milieu, von welchen ein Teil sich selbst ohne konkreten Anlass (Corona-Schutzmaßnahmen, Geflüchteten-Unterbringung) mobilisieren lässt.
Bei der Beobachtung der Demonstrierenden bekommt man den Eindruck dass sich hier vor allem wütende und verängstigte Kleinstadt-Kleinbürger*innen versammelt hatten. Die vorgebrachten Protest-Punkte blieben auch auf der Demonstration selbst diffus. Trotzdem waren die AfD- und BSW-Vibes deutlich sicht- und hörbar. Etwa wenn die Veranstalterin von Politiker*innen als „Volksverrätern“ sprach oder chauvinistisch kritisierte das alles Geld ins Ausland, konkret an die Ukraine, gehen würde statt an die eigenen Leute.
Wenig überraschend stellten die Veranstaltungsstruktur alte Bekannte.

Anmelderin der Demonstration war Sandra J. aus Albstadt, die bereits ab dem Februar 2022 Corona-Proteste mit organisiert hatten. Hüter des Lautsprecher war Julian B., der am 26. April 2025 Anmelder der nationalistischen „Gemeinsam für Deutschland“-Demonstration in Balingen war, auf der damals auch eine Gruppe erkennbarer Neonazis geduldet wurde.
In Zukunft soll Albstadt wieder einmal monatlich mit einer Demonstration heim gesucht werden.
Natürlich ist es legitim gegen Spar-Zumutungen der Regierung, gegen die Erhöhung des Rentenalters oder für Frieden zu demonstrieren. Das sollte aber besser im Rahmen einer linken Demonstration mit einer Ursachen-Analyse und antifaschistischer Grundhaltung passieren.